Pünktliche Deutsche - gemütliche Österreicher PDF Drucken E-Mail

Von Vorurteilen, Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der deutsch-österreichischen Geschäftswelt

„Unterschiede in der deutsch-österreichischen Geschäftswelt – Focus: Business-Etikette“ – unter diesem Motto steht der Unternehmerinnenabend am 10. November in Ruderting. Referentin ist Bernadette Borstnar, Trainerin für Business Behaviour und interkulturelles Management.

 

Frau Borstnar, unterscheiden sich Deutsche und Öster-reicher im Business wirklich so sehr voneinander?

Es gibt natürlich viele Gemeinsamkeiten. Aber nach meiner persönlichen Arbeitserfahrung in beiden Ländern ist Einiges doch so unterschiedlich, dass es sich lohnt, sich damit näher aus­einanderzusetzen. Vor allem, wenn man in beiden Ländern tätig ist und natürlich erfolgreich sein will. Viele Unternehmer bereiten sich vor intensiven Geschäftskontakten mit ausländischen Partnern auf die fremde Kultur vor. Im deutschsprachigen Kulturraum geht man aber meist davon aus, dass man sich ohnedies versteht. Darin liegt die Gefahr.

 

Was wollen Sie mit Ihren Seminaren erreichen?

Das Ziel meiner Seminare ist die Auseinandersetzung mit diesem Thema zur Steigerung des eigenen Unternehmenserfolgs. Dabei geht es mir um die Sensibilisierung der Seminarteilnehmer zu diesem Thema, um den Abbau von Vorurteilen sowie um das Kennenlernen ­kultur­spezifischer Gepflogenheiten, um ein selbstsicheres Auftreten auch in fremden Kulturräumen zu erreichen.

 

Woher haben Sie Ihr Wissen?

Als Tochter einer Tirolerin und eines Wieners wusste ich sehr bald, dass es bereits innerhalb eines Landes wesentliche regionale Unterschiede und Verhaltensweisen gibt. Während meines Studiums und im Rahmen meiner beruflichen Stationen habe ich in verschiedenen Ländern in ­internationalen Organisationen und Großkonzernen Erfahrungen gesammelt. Ich hatte mit hochrangigen Diplomaten zu tun und habe festgestellt, dass es hier klare Richtlinien gibt. Hier weiß beispielsweise jeder, wie er sich auf dem roten Teppich gegenüber einem Staatsgast verhalten muss. Im Business sind die Regeln hingegen nicht so genau definiert.

 

Woran liegt das?

Im Business wird oft die Bedeutung korrekter Umgangsformen unter­schätzt. So scheitern immer wieder zunächst erfolgreich geführte Verhandlungen von Geschäftspartnern ohne ersichtlichen Grund, wobei die Ursache häufig im Nichtbeachten von Etikette-Regeln liegt. Wenn auch im Alltagsleben die Umgangsformen zunehmend lockerer gehandhabt werden so wird meines Erachtens dennoch in Zukunft von den meisten Entscheidungsträgern in der Geschäftswelt gesteigerter Wert darauf gelegt werden.

 

Jetzt würde uns natürlich interessieren, was sind denn nun grundlegende Unterschiede in der deutsch-österreichischen Geschäftswelt?

Bei aller gebotenen Vorsicht einer Verallgemeinerung fällt zunächst der Unterschied ausgerechnet in der „gemeinsamen Sprache“ auf. So wirkt die exakte Aussprache vieler Deutscher auf Österreicher dominant und die direkte deutsche Art kommt in Österreich nicht immer gut an.

Hingegen sprechen manche Österreicher für deutsches Empfinden zu langsam und da ist wiederum die Geduld der Deutschen gefordert. Deutsche gelten als sehr fleißig, pünktlich, strukturiert und zielorientiert. Der Österreicher lässt es dagegen etwas gemütlicher angehen. Bei Besprechungen wird es nicht gerne gesehen, gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Für viele Österreicher ist Small-Talk ein Akt der Höflichkeit, bevor es zur Sache geht. Hier gilt es, ein Verständnis für die andere Seite zu entwickeln und Vorurteile abzubauen, wobei ich mich als Mittler zwischen den beiden Kulturen sehe.

 

Was bekannt ist: In Österreich legt man sehr viel Wert auf akademische Titel?

Ja, während in Deutschland nur der Doktortitel genannt wird, sind in Österreich akademische Titel ein Namensbestandteil. Frau Magister, Herr Diplom-Ingenieur und so weiter. In Deutschland sind hingegen Adelstitel üblich, während diese in Österreich 1919 abgeschafft wurden.

 

Wie soll man sich verhalten, wenn man in Sachen Business-Etikette nicht auf dem aktuellsten Stand ist?

Dafür gibt es beispielsweise meine Seminare und Einzeltrainings. Wichtig ist es dabei, trotz aller Etikette-Regeln stets authentisch zu bleiben. Und ein freundliches Lächeln ist immer eine gute Basis zur Überbrückung von Unsicherheiten. Dann kann wenig schief gehen. Und wer die Spielregeln einmal kennt, kann sie auch gezielt brechen.

 

Das Interview führte Bettina Maier

 

 
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    Österreich, das Land, das sich als Riese schlafen legte und als Zwerg wieder aufwachte, eingeschlossen in das Innere einer Mozartkugel. Wiener Schnitzel und Schwedenbombe, dramatische Bergkulissen und pompöse Architekturen, Zwölftonmusik und Alpenjodler, Burgtheater und Kasperltheater – Österreich hat viele Seiten, und Heinrich Steinfest kennt sie alle. Der preisgekrönte Krimiautor und leidenschaftliche Österreicher führt den Leser zum Heurigen, in die Unterwelten, Schneewelten und Scheinwelten und weiht ihn ein in das süße Geheimnis der Mehlspeisen und das dunkle Geheimnis des österreichischen Fußballs.

    Gebrauchsanweisung für Österreich von Heinrich Steinfest, Verlag Piper, ISBN: 9783492275682


  • Autorin Petra Begemann erläutert die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze des Erfolgs – von klassischen Stil- und Etikette-Fragen über das richtige Verhalten in schwierigen Situationen bis zum souveränen Gesamtauftritt. Ob im Umgang mit Mitarbeitern, Kollegen oder Vorgesetzten, beim Geschäftsessen, bei Verhandlungen oder im Ausland: Der Ton macht die Musik, der persönliche Auftritt bestimmt den Erfolg. Mit Experteninterviews und zeitgemäßen Infos hat dieser Knigge zahlreiche Leser gefunden. Die erweiterte Neuausgabe vertieft den richtigen Umgang mit Kunden und befragt Personalchefs zum Thema „Knigge und Karriere“.

    Der große Business-Knigge von Petra Bergemann, Verlag Stark, ISBN: 978-3-86668-434-8


  • Der „Knigge“ ist auch heute noch ein hochinteressanter Meilenstein über die praktische Kunst des Umgangs mit Menschen. Erschienen im Jahr 1788 – im gleichen Jahr wie Kants „Kritik der praktischen Vernunft“ – befasst sich Knigge mit der Durchsetzung von Moral und gibt überzeugende und vor allem praktikable Antworten auf die Fragen menschlichen Zusammenlebens. Diese Aufklärungsschrift war indessen keineswegs eine Anleitung, wie man sich in feiner Gesellschaft zu Tische benimmt, sondern ein Ratgeber für Höflichkeit und Takt im Umgang mit „Leuten von verschiedenen Gemütsarten, Temperamenten und Stimmungen des Geistes und Herzens“.

    Über den Umgang mit Menschen von Adolph Freiherr Knigge, Nikol-Verlag, ISBN: 978-3-86820-032-4