Von Erfolgsrezepten und europäischen Patenten PDF Drucken E-Mail

Unternehmerin Inge Lidl referiert beim Unternehmerinnenabend - Innovation ili-Billy füllt Marktlücke

„Plaudern aus dem Nähkästchen“ – unter diesem Motto stand der vergangene Unternehmerinnenabend im Gutshof Sagmühle in Bad Griesbach. Inge Lidl, Gründerin von ili-Stoffe in Tettenweis, erzählte den rund 35 Teilnehmerinnen von ihrer Geschäftsphilosophie und verriet, dass ihre jüngste Erfindung, der ili-Billy, vom europäischen Patentamt jetzt anerkannt wurde.

Ihre Innovation, so erklärt Inge Lidl, füllt eine Marktlücke. Denn wer bisher bei der Anbringung einer Gardinenstange auf Kleben statt Bohren setzte, hatte meist folgendes Problem: Wandfarben und Tapeten haben keine Tragkraft. Um festen Halt zu garantieren, muss man an den darunterliegenden Putz oder Beton kommen. Zum Ärger der Kunden sei dies von den Herstellern bisher nicht berücksichtigt worden.

 

Inge Lidl suchte nach Lösungen, um ohne großen Aufwand Farbe oder Tapete zu entfernen. So wurde der ili-Billy geboren, ein kleines Werkzeug aus Edelstahl, mit Zacken und Schneiderand. „Es wird gegen die Wand gehalten und mit einem Hammer beklopft“, erklärt sie. Durch die Zacken löse sich die Farbe auf einfache Weise, die feinen Partikel bröckeln ab. Der darunter liegende Beton oder Putz biete besten Halt für den Klebstoff. Bei tapezierten Wänden kann mit dem Schneiderand des ili-Billy eine exakte Fläche, je nach individueller Größe der Vorrichtung, ausgeschnitten werden. Nun wird die Aufhängung mit dem eigens entwickelten Klebstoff bestrichen, aufgeklebt, fertig.

Auch für Leichtbauwände, etwa aus Gips-Putz, hat Inge Lidl ein Patent entwickelt, denn hier ist zusätzlicher Halt gefragt. Dazu wurde ein 1,4 Zentimeter langer Nagel mit einem Durchmesser von vier Millimeter entworfen, welcher – zusammen mit dem Klebstoff – eine weitere Stabilität garantiert. „Statt die Wände zu verbohren, reichen in Zukunft Hammer und Nagel aus“, verspricht sie.

Bei ihren Forschungen hat Inge Lidl nichts dem Zufall überlassen. Vorhänge können ein Gewicht von 15 Kilogramm haben, was das ili-Billy-System locker aushalte. Bis zu 80 Kilogramm trage die Vorrichtung, was zahlreiche Experimente mit Gewichten in einem eigenen Test-Raum mit unterschiedlichen Wandstrukturen bestätigen. Der Klebstoff wurde so konzipiert, dass er sich bei einer Erwärmung auf 60 Grad Celsius – etwa durch einen Fön – leicht ablösen lässt. Es kommt zu keinen hässlichen Spuren.

 

Ihre Ideen und Anregungen holte sich die Unternehmerin durch viele Gespräche. „Mein Zahnarzt hatte mich am Beispiel eines Implantates, welches im Kieferknochen verankert wird, auf die Idee mit dem Nagel gebracht“, erzählt sie. Ihr Mann Gerhard sei während der ganzen Zeit ihr größter Kritiker gewesen, „was mich erst recht motiviert hat.“

Der Weg zum Patent ist schwierig und kostspielig. „Man muss eine Erfindung nachweisen, etwas, das nicht einfach durch Nachdenken oder reinen Menschenverstand funktioniert“, erklärt Inge Lidl. Umfangreiche Recherchen gingen voraus, denn – selbst wenn eine ähnliche Idee vor 50 oder mehr Jahren gemeldet wurde – wird das Patent nicht anerkannt. Nach der Einreichung der Unterlagen musste sich Inge Lidl in Geduld üben: Die Zusage des Patentamtes kam nach einem Jahr Bearbeitungszeit.

Jetzt will die Unternehmerin loslegen: 32.000 Klebstoffe wurden bereits produziert. Zur Erklärung der richtigen Anwendung wurden Videofilme gedreht, die auf der Homepage  www.ilibilly.de und in Baumärkten zu sehen sein werden. Im Januar präsentiert Inge Lidl ihre Erfindung auf der Heimtextil in Frankfurt, der größten internationalen Fachmesse für Wohn- und Objekttextilien. Spätestens dann dürfte dem Siegeszug des ili-Billy nichts mehr im Wege stehen.

 

Die Erfolgsgeschichte von

Inge Lidl beginnt im Jahr 1997. Nach ihrer Ausbildung an der Steigenberger Hotelfachschule und einigen Jahren im Hotelwesen, gründete sie vor 14 Jahren das ­Unter­nehmen ili-Stoffe in Tettenweis. Sie erkannte, dass Textilien in Deutschland wesentlich teurer 20 sind, als beispielsweise in den USA. Der Grund: Zu viele Zwischenhändler sind beteiligt. Inge Lidl machte es anders – sie agiert im Direktvertrieb und als Groß­handel. Zwei Jahre nach der Unternehmensgründung wurde ili-Stoffe von einer Expertenjury als beste Geschäftsidee ausgezeichnet.

 

Teilnehmerstimmen zum letzten Unternehmerinnenabend:

„Der Abend war für mich sehr angenehm. Inge Lidl hat ihr Wissen, ihre Lebenserfahrung im Bereich ihrer Tätigkeit, die ja sehr umfassend und abwechslungsreich ist, interessant, informativ und auch spannend, auf sehr nette lockere Art präsentiert. Mir persönlich hat es gezeigt wie viele Facetten das Unternehmerinnen-Leben haben kann und wie oft sich unvorhergesehene Dinge entwickeln und sich neue Geschäftsideen ergeben, an denen man wächst, die einen begeistern und einem geschäftlich und privat neue Horizonte eröffnen.“  Diana Stockbauer, Haaryurveda, Ruderting

 

„Die Thematik ‚Plaudern aus dem Nähkästchen‘ hat mir sehr gut gefallen. Inge Lidl hat sehr lebhaft und ehrlich über ihren Werdegang berichtet. Ihre charmante Art hat ihren Vortrag sehr kurzweilig gemacht. Von anderen Menschen nimmt man auf diesem Wege immer ein Stück mit, besonders dann, wenn Lebens-und Geschäftserfahrungen in so sympathischer Art weitergeben werden. Von ‚Frau zu Frau‘ ist die Basis dann noch ein Stück näher. Informationen, Erfahrungen und Wissen weiter zu geben und aufnehmen zu dürfen, sind Möglichkeiten die man wunderbar nutzen kann und sollte. Das ist in unserer heutigen Geschäftswelt fast kaum noch möglich, deshalb empfinde ich diese Art von Zusammenkünften und Wissensvermittlung dankbar als Chance, etwas besser zu machen, als der Rest der ‚kalten Wirtschaftswelt‘.“ Silvia Rullkötter, Institut für Vitalgenese, Bad Füssing